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Amputation
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top
Als Amputation (lateinisch amputatio, von amputare, âabsetzenâ, âwegschneidenâ, âwegputzenâ) wird die Abtrennung eines Körperteils vom Körper, etwa einer GliedmaĂe oder einer Brust, bezeichnet. Die Amputation erfolgt dabei aus verschiedenen GrĂŒnden:
⹠chirurgisch, wenn das Leben des Patienten bedroht oder eine Heilung des betroffenen Körperteils nicht zu erwarten ist
âą als Unfallfolge (traumatisch); abhĂ€ngig von den noch vorhandenen Strukturen (mindestens eine HautbrĂŒcke erhalten) unterteilt man diese in totale und subtotale Amputationencite-ref-1[1].
âą als Bestrafung, was frĂŒher in vielen Regionen ĂŒblich war und heute noch in einigen islamisch geprĂ€gten LĂ€ndern wie Iran, Saudi-Arabien oder dem Sudan unter Berufung auf die Scharia stattfindet
âą selten bereits im Mutterleib (konnatal) durch SchnĂŒrringe (Amniotisches-Band-Syndrom).
Contents
âą Definitionen
âą Notamputation
âą Entsorgung
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Belege
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Amputation als chirurgischer Eingriff
Definitionen
Akute oder chronische arterielle Durchblutungsstörungen stellen neben Verletzungen und Infektionen die hĂ€ufigsten GrĂŒnde (bzw. Indikationen) fĂŒr eine Amputation dar. Die weit ĂŒberwiegende Ursache der chronischen arteriellen Durchblutungsstörung ist eine generalisierte Arteriosklerose. Entsprechend dem Verteilungsmuster der GefĂ€ĂverschlĂŒsse ist die Amputation der unteren ExtremitĂ€t am hĂ€ufigsten angezeigt. Die folgenden Definitionen beziehen sich daher auf die untere ExtremitĂ€t, gelten sinngemÀà jedoch auch fĂŒr die obere ExtremitĂ€t.
Majoramputation (auch Makroamputation) bedeutet eine Amputation oberhalb der Knöchelregion. Im DRG-Abrechnungssystem der Krankenkassen beginnt die Majoramputation wegen des höheren Materialverbrauches bereits bei der transmetatarsalen VorfuĂamputation.
Minoramputation (auch Mikroamputation) bedeutet eine âkleine Amputationâ bis unterhalb der Knöchelregion (also bis einschlieĂlich der Chopart-Amputation). Im DRG-System umfasst sie nur Zehenamputationen bzw. Strahlresektionen.
Die Grenzzonenamputation ist ein auf den deutschen Sprachraum begrenzter Sammelbegriff fĂŒr die Kombination aus Minoramputation in der Grenze zum vitalen Gewebe, Nekrektomie oder DĂ©bridement.cite-ref-4[4]
Je nach Indikation wird zwischen der planmĂ€Ăigen Amputation und der Notfallamputation unterschieden.
Indikationen zur Amputation
Die meisten planmĂ€Ăigen Amputationen von GliedmaĂen mĂŒssen infolge der arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) durchgefĂŒhrt werden. Die Indikation wird in aller Regel im Stadium IV gestellt, wenn ausgedehnte Gewebsnekrosen oder eine infizierte GangrĂ€n mit drohender Sepsis vorliegen und gefĂ€Ăchirurgische MaĂnahmen ausgeschöpft sind oder nicht in Betracht kommen. Ausnahmsweise wird die Indikation auch im Stadium III gestellt, wenn die hier vorliegenden Dauerschmerzen nicht beherrschbar sind und die LebensqualitĂ€t des Patienten so hochgradig einschrĂ€nken, dass die Amputation das âkleinere Ăbelâ darstellt. Die Amputationshöhe richtet sich nach der QualitĂ€t der Durchblutung, die mittels Angiographie festgestellt wird, und nach der sinnvollsten Möglichkeit der prothetischen Versorgung. Am Bein kommt meist die Oberschenkelamputation etwa handbreit oberhalb des Knies (bei pAVK vom Beckentyp) oder die Unterschenkelamputation etwa handbreit unterhalb des Knies (bei AVK vom Oberschenkeltyp) zur Anwendung. Die Amputation von Armen wegen arterieller Verschlusskrankheit ist eine RaritĂ€t.
Die zweithĂ€ufigste Indikation ist die diabetische GangrĂ€n. Im Gegensatz zur AVK wird hier in der Regel die so genannte âGrenzzonenamputationâ angestrebt, also die Amputation möglichst distal, im gerade noch gesunden Bereich. Daher sind dies oft Amputationen der Zehen, des VorfuĂes (Amputation bzw. Exartikulation im Chopart- oder Lisfranc-Gelenk) oder des RĂŒckfuĂes (Pirogoff-Stumpf). Dieses Vorgehen, frĂŒher als âSalamitaktikâ eher verpönt, hat sich aufgrund von Verbesserungen der Wundbehandlung, der systemischen Antibiotikatherapie sowie der Diabetes-Einstellung seit den 1990er Jahren breit durchgesetzt. Dennoch mĂŒssen immer noch viele Unter- oder Oberschenkelamputationen als âUltima Ratioâ durchgefĂŒhrt werden.
Amputationen als Folge von Unfallverletzungen sind gegenĂŒber den ersten beiden Indikationen selten. Angestrebt wird immer der GliedmaĂenerhalt, bei guten VerhĂ€ltnissen können selbst gröĂere traumatisch abgetrennte GliedmaĂenanteile immer hĂ€ufiger replantiert werden. Bei Zerstörung des abgetrennten Abschnitts kann allerdings oft nur die Stumpfversorgung durchgefĂŒhrt werden. Unbeherrschbare Wundinfektionen nach Verletzungen, ein ausgedehntes Compartmentsyndrom sowie offene Frakturen des Grades IV, bei denen die Nerven oder BlutgefĂ€Ăe unwiederbringlich zerstört sind, zwingen zur Amputation. Die Amputationshöhe wird hier â ohne einem Schema zu folgen â so weit distal wie möglich gewĂ€hlt. Die moderne Prothetik lĂ€sst die Versorgung nahezu jeden Stumpfes zu.
Sehr selten zwingen maligne Tumoren zur Amputation einer GliedmaĂe. Dies sind meist Knochen- oder Weichteiltumoren (Sarkome). In erster Linie wird hier die lokale Resektion des Tumors und Wiederherstellung der KnochenkontinuitĂ€t durch spezielle Endoprothesen angestrebt.
Daneben können auch schwerwiegende Komplikationen schlussendlich zu einer Amputation fĂŒhren, wie infizierte Endoprothesen des Knies, infizierte Pseudarthrosen, groĂe traumatische Knochendefekte, bei denen chirurgische Versuche der Behandlung erfolglos bleiben. Gelegentlich entscheiden sich auch Patienten mit schweren Fehlbildungen einer ExtremitĂ€t und schwieriger Orthesenversorgung elektiv zu einer Amputation.
Zur Zahl der Amputationen liegen fĂŒr Deutschland keine Statistiken vor. Nach SchĂ€tzungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK wurden im Jahr 2002 mehr als 55.000 chirurgische Amputationen der unteren ExtremitĂ€ten bei mehr als 41.000 KrankenhausfĂ€llen vorgenommen.cite-ref-5[5] Nach anderen Angaben gibt es in Deutschland aktuell etwa 60.000 Amputationen pro Jahr. Im europĂ€ischen Vergleich ist das eine hohe Zahl. 70 Prozent der Amputationen betreffen in Deutschland Diabetiker. Sie hĂ€tten damit ein 10- bis 15-mal höheres Amputationsrisiko.cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]
DurchfĂŒhrung einer Amputation
Das Ergebnis der Rehabilitation nach Amputation hĂ€ngt wesentlich von der Möglichkeit der Prothesenversorgung ab. Daher muss eine planmĂ€Ăige Amputation so durchgefĂŒhrt werden, dass ein möglichst gut zu versorgender Stumpf entsteht. Entscheidend ist hier die Weichteildeckung des knöchernen Stumpfes. Daher wird der Hautschnitt so gelegt, dass er ausreichend, aber nicht zu weit unterhalb der vorgesehenen knöchernen Amputationshöhe liegt (âFroschmaulschnittâ), um als Muskelhautlappen mitsamt der darunterliegenden Muskulatur eine sichere Bedeckung des Knochenendes zu gewĂ€hrleisten. Nach Durchtrennung des oder der Knochen (Osteotomie) mĂŒssen die Knochenkanten geglĂ€ttet und eventuell abgeschrĂ€gt werden. Besonders bei der Unterschenkel-Amputation vorn am Schienbein ist dies notwendig, dort wird in der Regel ein Knochenkeil entfernt (triangle de FarabĆuf).
Die Muskulatur wird dann so durchtrennt, dass sie als âPolsterâ den knöchernen Stumpf umgibt. Zur sicheren Fixierung werden die Muskeln miteinander verbunden (Myoplastie) oder ĂŒber Bohrlöcher direkt mit dem Knochenstumpf verbunden (Myodese). Die Hautnarbe soll abseits der Belastungszone des Stumpfes gelegt werden.
Die Hauptnerven werden weit nach proximal freigelegt und dort durchtrennt, sodass das Nervenende tief im Weichteilgewebe auĂerhalb der Belastungszone liegt. Hierdurch soll einer Verwachsung mit der Hautnarbe, einer Neurom-Bildung und Phantomschmerzen vorgebeugt werden.
In der ersten Phase der Nachbehandlung gilt es, zunĂ€chst eine gute Wundheilung zu erreichen. Wundheilungsstörungen oder Infekte sind vor allem bei den beiden hĂ€ufigsten GrĂŒnden fĂŒr Amputationen, arterielle Verschlusskrankheit und Diabetes, nicht selten. Zur Formung des Stumpfes, der fĂŒr eine gute Prothesenversorgung möglichst zylindrisch sein sollte, erfolgt vom OP-Tag an regelmĂ€Ăig die Anlage einer speziellen Bandage. Nach Heilung der Wunde und RĂŒckgang der anfĂ€nglichen Schwellung wird der Stumpf meist mit einem Liner versorgt, einer elastischen HĂŒlle, die den Stumpf weiter formt und ĂŒber den spĂ€ter der Prothesenschaft angelegt wird.
Nach einer Amputation gibt es weitere Möglichkeiten des Wiederaufbaus oder Techniken, die die FunktionsfÀhigkeit des Stumpfes besonders bei Armamputationen erhöhen:cite-ref-8[8]
âą Kineplastik nach Sauerbruch: Durch einen Muskelbauch oberhalb des Stumpfes wird ein Hautkanal gebildet, durch den ein Stift gefĂŒhrt werden kann, der mit der Prothese verbunden wird und so aktive Bewegungen z. B. der Prothesenhand ermöglicht. Dies wurde nach dem Ersten Weltkrieg oft angewandt, meist am Musculus biceps brachii bei Unterarmamputierten.
⹠Krukenberg-Greifzange: Bei Amputationen am Unterarm lassen sich Speiche und Elle trennen, so dass eine Greiffunktion zwischen den beiden Knochen möglich ist. Dies ist Àhnlich auch bei Mittelhandamputationen möglich.
⹠Winkelosteotomie am Humerus nach Ernst Marquardt: Gelegentlich lÀsst sich bei Oberarmamputation oberhalb der Kondylen keine RotationsstabilitÀt der Prothese erreichen. Dann kann eine Osteotomie des Humerus-Schaftes mit Abwinklung des distalen Segments nach vorn eine rotationssichere Versorgung ermöglichen.
âą VerlĂ€ngerung extrem kurzer StĂŒmpfe mittels Kallusdistraktion bei ausreichendem Hautlappen, ebenfalls vor allem an den Armen.
Teilweise haben sich spezifische OP-Techniken herausgebildet:
âą Pirogoff-Amputation als Amputation des FuĂes mit teilweisem Erhalt des Fersenbeins und der darunter befindlichen FuĂsohle und Arthrodese zwischen Fersenbein und Schienbein nach Entfernung des Sprungbeins.
âą Gritti-Stokes-Amputation bezeichnet eine Oberschenkelamputation, die sehr kniegelenknah durchgefĂŒhrt wird, knapp oberhalb der Kniekondylen (suprakondylĂ€r), wobei die Kniescheibe erhalten wird, unter den etwa 15° nach vorn-unten spitzen Stumpf gebracht und mittels transossĂ€rer NĂ€hte fixiert wird. Die Kniescheibensehne wird mit den Kniebeugesehnen vernĂ€ht, es ist keine Muskeldurchtrennung notwendig. Durch einen etwas lĂ€ngeren vorderen Lappen ist die Naht meist hinten gelegen. Der Vorteil ist ein schnell endbelastungsfĂ€higer sehr langer Stumpf mit gutem Hebelarm und weitgehend uneingeschrĂ€nkter Kraft der Adduktoren und HĂŒftstrecker. Die Technik bietet sich neben Traumapatienten auch bei Durchblutungsstörungen an. Dank der erhaltenen oberen Kniegelenkarterien zur Versorgung des vorderen Lappens werden selten Wundheilungsstörungen beobachtet. Die Patienten gehen im Vergleich zu einer Standard-Oberschenkelamputation mit einer Prothese schneller mit besserer Balance und weniger zusĂ€tzlichen Gehhilfen.cite-ref-9[9]
âą Ertl-Modifikation bei Unterschenkelamputationen mit Schaffung einer festen KnochenbrĂŒcke zwischen Schienbein und Wadenbein am Stumpfende besonders bei traumatischen Amputationen. Erstmals 1949 von Janos Ertl beschrieben, soll sie einen stabileren und besser belastungsfĂ€higen Unterschenkelstumpf schaffen. Studien konnten jedoch keinen Vorteil dieser Technik belegen.cite-ref-10[10]
FĂŒr spezielle Indikationen, besonders bei bösartigen Knochen- oder Weichteiltumoren, werden gelegentlich auch Teilamputationen durchgefĂŒhrt, bei denen nur ein Abschnitt der ExtremitĂ€t entfernt wird und z. B. der FuĂ dann wieder mit dem verbliebenen Stumpf verbunden wird, teils unter Drehung des FuĂes um 180°, wie dies etwa bei der Umkehrplastik nach Borggreve erfolgt.
DarĂŒber hinaus sind oft Stumpfrevisionen notwendig, etwa zur Narbenkorrektur, Gelenkmobilisierung, Entfernen ĂŒberstehender Knochenanteile oder Achskorrekturen.
Erste Hilfe und medizinische Versorgung bei unfallbedingten Amputationen
Bei dem Notfall einer traumatisch bedingten vollstĂ€ndigen (totalen) oder partiellen (subtotalen) Amputation werden GefĂ€Ăe verletzt, was lebensbedrohliche Blutungen zur Folge haben kann. Ein Stillen dieser Blutungen ist primĂ€res Ziel der Versorgung des Verletzten. Ist der Verletzte eingeklemmt, akut bedroht und in angemessener Zeit nicht befreibar, so erfolgt im Ă€uĂersten Fall eine Notamputation (s. u.). AbhĂ€ngig von der Situation des Verletzten werden MaĂnahmen zur Stabilisierung der Vitalfunktionen ergriffen, bei Bewusstlosigkeit die Stabile Seitenlage hergestellt, bei Atemstillstand die Beatmung bzw. bei einem Herz-Kreislaufstillstand die WiederbelebungsmaĂnahmen durchgefĂŒhrt. Daneben wird ein eventuell auftretender Schockzustand entsprechend behandelt und eine angemessene Schmerztherapie mit durchgefĂŒhrt.
Zur Sicherung des abgetrennten Körperteils, des Amputats, erfolgt durch den Ersthelfer eine provisorische Lagerung in keimfreien Materialien wie VerbĂ€nden. Um eine eventuelle unfallchirurgische Rekonstruktion der Verletzung zu begĂŒnstigen, ist neben der keimfreien und trockenen Lagerung auch ein möglichst kĂŒhler Transport notwendig. Das eingewickelte Amputat wird dazu in einen sauberen Plastikbeutel gesteckt, welcher nach Verschluss in einem zweiten mit kaltem Wasser bzw. Eis gefĂŒllten Beutel fixiert wird. Dabei ist darauf zu achten, dass das Amputat nicht mit Eis in BerĂŒhrung kommt, um Erfrierungen und damit verbundene GewebeschĂ€den zu vermeiden. Das Amputat sollte von dem Ersthelfer nicht gereinigt werden, da durch unsachgemĂ€Ăe Behandlung eine Rekonstruktion unter UmstĂ€nden unmöglich wird. Nach Ăbergabe des Amputats erfolgt dessen SĂ€uberung im Krankenhaus.
Ist eine ExtremitÀt nicht vollstÀndig abgetrennt, sollten noch bestehende Gewebeverbindungen nicht durchtrennt werden, da sie eine minimale Blutversorgung gewÀhrleisten können.cite-ref-11[11]
Notamputation
In verzweifelten Unfallsituationen kann es erforderlich werden, dass der Notarzt noch am Unfallort eine Amputation vornimmt. Dies betrifft in erster Linie VerschĂŒttungsunfĂ€lle (Steinbruch, Bergbau, Erdbeben, Gasexplosionen), wenn eine ExtremitĂ€t eingeklemmt ist und der Verletzte, in Lebensgefahr schwebend, anders nicht gerettet werden kann. Bei VerkehrsunfĂ€llen ist dieses Vorgehen durch die weitreichenden Möglichkeiten der technischen Rettung nur in extrem seltenen AusnahmefĂ€llen erforderlich, beispielsweise bei UnfĂ€llen mit GroĂ- oder Schienenfahrzeugen, bei denen die auf Pkw-UnfĂ€lle ausgelegten hydraulischen RettungsgerĂ€te an ihre Grenzen stoĂen.cite-ref-12[12]
Ist in verzweifelten, lebensbedrohlichen Unfallsituationen keine Hilfe verfĂŒgbar, kann einem eine Selbstamputation das Leben retten. Internationale Bekanntheit erlangte der US-amerikanische Bergsteiger Aron Ralston, der sich 2003 durch Selbstamputation seiner eingeklemmten Hand aus einem Canyon befreite.
Amputation als Strafe
In vielen Kulturen und Epochen wurden Amputationen als verschĂ€rfte Form der Körperstrafe durchgefĂŒhrt. Die Ă€lteste bekannte Quelle hierzu ist der Codex Hammurapi aus Babylonien aus dem 18. Jahrhundert vor Christus, in dem eine Amputation als Strafe fĂŒr Gewalt von Sklaven gegen freie BĂŒrger beschrieben wurde. Auch im Peru des vierten Jahrhunderts vor Christus sind Strafamputationen belegt. Auch zu Zeiten des Römischen und des nachfolgenden Byzantinischen Reiches gab es Amputationen als StrafmaĂnahmen. Dies setzte sich in Europa bis ins 17. Jahrhundert fort, als wĂ€hrend der AufklĂ€rung ein humaneres Strafen ĂŒblich wurde und Körperstrafen insgesamt zurĂŒckgedrĂ€ngt wurden. In zahlreichen arabischen und afrikanischen LĂ€ndern bestehen Strafamputationen bis in die Gegenwart fort.cite-ref-13[13]
Im islamischen Recht
In islamischer Rechtsprechung gibt es einzelne StraftatbestĂ€nde, die im Rahmen der Hadd-Strafen mit Amputation bestraft werden. So soll zum Beispiel mĂ€nnlichen und weiblichen Dieben nach dem Koran (Sure 5:38) âals Ausgleich fĂŒr das, was sie begangen haben, und als Warnung vor Gottâ die Hand abgeschnitten werden. Das kreuzweise Abschneiden von Hand und FuĂ wird im Koran (Sure 5:33) als mögliche Strafe fĂŒr die BekĂ€mpfung Gottes und seines Gesandten sowie fĂŒr StraĂenraub genannt. Der Vollzug derartiger Strafen wurde allerdings in der islamischen Jurisprudenz an gewisse Voraussetzungen geknĂŒpft. So muss zum Beispiel ein Diebstahl (sariqa), der eine derartige Strafe nach sich ziehen soll, heimlich geschehen sein, das Diebesgut einen bestimmten Mindestwert (niáčŁÄb) haben, der Dieb darf kein Eigentum daran haben und er muss es aus einem Gewahrsam (áž„irz) weggenommen haben.cite-ref-14[14] Die Amputation darf auĂerdem nur von staatlichen AutoritĂ€ten vollzogen werden.cite-ref-15[15]
In der RealitĂ€t kam es schon in der frĂŒhen Neuzeit in den meisten islamischen LĂ€ndern nur noch sehr selten zu solchen Strafamputationen.cite-ref-16[16] Gelegentlich wurden kreuzweise Amputationen allerdings als Strafe fĂŒr Spione eingesetzt, wie zum Beispiel Ende des 19. Jahrhunderts im sudanesischen Mahdi-Reich (siehe Abbildung). Zwischen dem spĂ€ten 19. Jahrhundert und dem frĂŒhen 20. Jahrhundert wurden die Hadd-Strafen in fast allen islamischen LĂ€ndern abgeschafft. Saudi-Arabien ist das einzige islamische Land, in dem die Anwendung der Amputationsstrafe bis heute nie unterbrochen wurde. Allerdings sind hier gerichtliche Amputationen relativ selten. Zwischen 1981 und 1992 gab es insgesamt 45 FĂ€lle.cite-ref-17[17]
Im Zuge der Reislamisierung wurde nach 1972 in verschiedenen Staaten das islamische Strafrecht kodifiziert und in diesem Rahmen die Amputation als Strafe fĂŒr Diebstahl wieder eingefĂŒhrt. Beispiele hierfĂŒr sind Libyen, Pakistan, Iran,cite-ref-18[18] Sudan und das nördliche Nigeria.cite-ref-19[19] In Sudan kam es hierbei zu einer Ausweitung des mit Amputation belegten Straftatbestands. So wurden im Sudanesischen Strafgesetz von 1983 in Artikel 320 die Heimlichkeit und die Wegnahme aus einem Gewahrsam als Voraussetzungen fĂŒr Diebstahl fallengelassen.cite-ref-20[20] Auch wurde hier die Durchsetzung der Amputationsstrafe mit groĂer Energie betrieben. Allein in der Zeit vom September 1983 bis zum Fall des Numeiri-Regimes im April 1985 wurden 96 bis 120 Amputationen vorgenommen.cite-ref-21[21] Zwar setzte danach die Regierung die Amputationen aus, doch wurden nach dem Putsch von 1989 erneut Amputationsstrafen vollzogen und Henker zur Ausbildung nach Saudi-Arabien entsandt.cite-ref-22[22] Noch im Januar 2001 wurde an fĂŒnf MĂ€nnern wegen StraĂenraubs die Kreuzamputation vorgenommen.cite-ref-23[23]
Bei der japanischen Mafia
Bei der japanischen Mafia ist es zum Teil noch immer ĂŒblich, dass Angehörige der Yakuza nach schweren VerstöĂen gegenĂŒber höher gestellten Organisationsmitgliedern ihrer Reue Ausdruck verleihen, indem die Betroffenen sich selbst einzelne Fingerglieder amputieren (Yubitsume).cite-ref-24[24] Innerhalb der Yakuza wird diese Art von SelbstverstĂŒmmelung jedoch zunehmend durch die Zahlung von Strafgeldern verdrĂ€ngt.cite-ref-25[25]
Geschichte der Amputationschirurgie
Schon in der Altsteinzeit wurden chirurgische Eingriffe erfolgreich vorgenommen, das heiĂt, die Patienten ĂŒberlebten. Als Ă€ltester Beleg fĂŒr eine erfolgreiche Amputation gilt die Entfernung des linken FuĂes samt eines Teils des Unterschenkels mit Hilfe eines scharfen Gegenstands bei einem vermutlich mĂ€nnlichen Jugendlichen (genannt TB 1) auf der indonesischen Insel Borneo. Dieser war vor rund 31.000 Jahren im Alter von 19 oder 20 Jahren in der Höhle Liang Tebo beigesetzt worden und hatte zuvor vermutlich noch sechs bis neun Jahre nach dem Verlust des FuĂes weitergelebt.cite-ref-maloney22-26-0[26] Bis zu diesem 2022 publizierten Eingriff galt die Entfernung eines Unterarms vor rund 7.000 Jahren in Frankreich als Ă€lteste Amputation.cite-ref-27[27] Zeitweise war auch der fehlende rechte Unterarm eines Neandertalers aus der Shanidarhöhle im Irak, dessen Besitzer vor rund 45.000 Jahren starb, als Beleg fĂŒr eine Amputation gedeutet worden;cite-ref-28[28] diese Interpretation gilt heute jedoch als ĂŒberholt.cite-ref-maloney22-26-1[26]
Weitere Nachweise neolithischer Amputationen gibt es aus Deutschland und der Tschechischen Republik.cite-ref-29[29] Bereits vor 3000 Jahren wurden auch in Ăgypten Amputationen vorgenommen. Forscher entdeckten jedoch auch schon auf Höhlenmalereien Darstellungen von Amputationen von Fingern. Diese Bilder stammen aus der Mittelsteinzeit (8000â6000 v. Chr.). Unbekannt ist, ob die Amputationen aus medizinischen oder rituellen GrĂŒnden stattfanden.
FrĂŒhe schriftliche Beschreibungen von Amputationen der Antike liegen z. B. von Hippokrates von Kos, Aulus Cornelius Celsus, Archigenes von Apamei (48â117) und Galen vor. Der von Celsus beschriebene in einer Ebene durchgefĂŒhrte einzeitige Zirkelschnitt war bis ins 18. Jahrhundert gebrĂ€uchlich, bevor er vom zweizeitigen (nach William Cheselden oder Jean-Louis Petit) und anderen Methoden abgelöst wurde.cite-ref-30[30] Auch Oreibasios, AĂ«tios von Amida und Paulos von Aigina erwĂ€hnten chirurgische Amputationen. Das Hoch- und SpĂ€tmittelalter kennt Amputationen durch die Werke von Roger von Parma, Hugo und Theoderich von Borgognoni, Wilhelm von Saliceto und Guy de Chauliac.cite-ref-31[31]
Bekannt geworden ist die am 8. Juni 1493 in Linz erfolgte Beinamputation Kaisers Friedrich III., bei dem eine opilacio (âVerstopfungâ) des linken Beins mit TaubheitsgefĂŒhl und darauffolgender SchwarzfĂ€rbung der Haut zwischen FuĂ und Wade diagnostiziert worden war. Die âkausaleâ Ursache dafĂŒr sah der das kaiserliche Ărzteteam leitende Chirurg Hans Seyff der Zeit entsprechend humoralpathologisch in einer durch âKĂ€lteâ verursachten Unterbrechung des SĂ€fteflusses. Heute fĂŒhrt man die verminderte Durchblutung und das daraus resultierende Absterben von Gewebe am ehesten auf eine Arteriosklerose zurĂŒck. Amputiert wurde dem Kaiser der geschĂ€digte Teil des Beines, worĂŒber Seyff einen ausfĂŒhrlichen Bericht in frĂŒhneuhochdeutscher Sprache verfasst hat.cite-ref-32[32]
Der Wundarzt Hans von Gersdorff beschrieb in seinem 1517 erschienenen Feldbuch der Wundarzney erstmals das Tourniquet-Abbindesystem und die Kauterisation zur Blutungskontrolle, der französische Chirurg Ambroise ParĂ© fĂŒhrte Mitte des 16. Jahrhunderts wieder Arterienligaturen in der Amputationschirurgie ein, wie sie vorher schon von Hippokrates von Kos beschrieben worden waren.cite-ref-33[33] ParĂ© beschrieb auch als erster Phantomschmerzen. Der Chirurg Brossard hatte 1751 Eichenschwamm (Agaricus) als bestes Mittel zur Blutstillung bei Amputationen empfohlen. Viele Chirurgen bevorzugten daraufhin dessen Verwendung statt der Ligatur.cite-ref-34[34] Gelegentlich wurde zur schmerzarmen Amputation eine KĂ€lteanĂ€sthesiecite-ref-35[35] durchgefĂŒhrt.
Mit seinen europaweit beachteten VorschlÀgen, auch bei schwereren ExtremitÀtenverletzungen ohne Amputation auszukommen, wurde im 18. Jahrhundert der MilitÀrchirurg Johann Ulrich Bilgercite-ref-36[36] zu einem Vorreiter der konservativen Chirurgie.
Der Kriegschirurg Dominique Jean Larrey hatte ab etwa 1792 groĂen Erfolg mit der Amputation bei auf dem Schlachtfeld Verwundeten. Zu verdanken war dies vor allem auch der von Larrey und auch Louis Stromeyer geforderten FrĂŒhamputation im Gesunden (oberhalb der Verletzungsstelle).cite-ref-37[37]
Chirurgische Erfahrungen brachten die wĂ€hrend der Napoleonischen Kriege vermehrt durchgefĂŒhrten ExtremitĂ€ten-Amputationen.cite-ref-38[38] Die erste erfolgreiche MittelfuĂ-Amputation in Höhe der Tarsometatarsalgelenke erfolgte 1815 durch den französischen Chirurgen Jacques Lisfranc, nach dem diese Amputationshöhe und zugleich die Gelenklinie weiterhin bezeichnet wird. Die erste Exartikulation am oberen Sprunggelenk fĂŒhrte der schottische Chirurg James Syme 1842 durch, wĂ€hrend der russische Chirurg Nikolai Iwanowitsch Pirogow bei der Pirogoff-Amputation das Fersenbein erhielt und mit dem Schienbein unter Resektion der Sprunggelenke fusionierte. Beide erhielten aber die endbelastungsfĂ€hige Fersenhaut. Auf den Versuch des italienischen Chirurgen Giuliano Vanghetti, Muskeln direkt an die Prothese anzuheften, geht die spĂ€tere Entwicklung besonders durch Ferdinand Sauerbruch zurĂŒck, der MuskelkanĂ€le zur Steuerung kineplastischer Prothesen, wie bei dem nach ihm benannten Sauerbruch-Arm, gebildet hat.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Myoplastie durch R. Dederich eingefĂŒhrt und durch E. Burgess populĂ€r. Dabei werden die Muskellappen ĂŒber dem Knochenstumpf miteinander vernĂ€ht, um eine belastungsfĂ€hige Stumpfspitze zu bekommen. SpĂ€ter empfahl M. Weiss zusĂ€tzlich die Myodese, bei der die Muskeln auch direkt im Knochen verankert werden.
Die transtibiale Amputation entwickelte sich in den 1960er Jahren dank Myoplastie und langem posterioren Muskellappen besonders in der Technik nach E. Burgess zu einem sicheren und erfolgreichen Verfahren, so dass sie die bis in die 1970er Jahre standardmĂ€Ăige transfemorale Amputation bei GefĂ€Ăerkrankungen als neuen Standard ablöste, mit entsprechendem Gewinn fĂŒr die Patienten durch Erhalt eines aktiven Kniegelenkes.
Kongenitale Amputation
Von kongenitaler Amputation spricht man, wenn sich wĂ€hrend einer Schwangerschaft durch EinreiĂen des Amnion ProteinbĂ€nder bilden, die fötale Körperglieder abschnĂŒren, sodass bei der Geburt ganze Körperglieder fehlen, die jedoch ursprĂŒnglich angelegt waren. Es ist die Extremform des Amniotisches-Band-Syndroms.
Angeborenes Fehlen einer ExtremitÀt oder eines Teils wird auch als Dysmelie bezeichnet.
Entsorgung
Amputate werden als sogenannte âethische AbfĂ€lleâ gesondert entsorgt.cite-ref-39[39] Damit verbundene Besonderheiten fasst die Bund/LĂ€nder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) in ihrer Mitteilung 18 âVollzugshilfe zur Entsorgung von AbfĂ€llen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstesâ zusammen.cite-ref-40[40] Anzuwenden ist gemÀà EuropĂ€ischem Abfallverzeichnis (AVV) der AbfallschlĂŒssel 180102, womit im Wesentlichen eine getrennte Sammlung am Anfallort in verschlossenen und zur Verbrennung geeigneten GefahrgutbehĂ€ltern, definierte Lagerungstemperaturen und -zeitrĂ€ume einhergehen. Ethische AbfĂ€lle von Patienten, die mit meldepflichtigen Krankheitserregern behaftet sind oder sein könnten, mĂŒssen als infektiöse, gefĂ€hrliche AbfĂ€lle gesammelt, deklariert, bereitgestellt und entsorgt werden.cite-ref-41[41] In seltenen FĂ€llen ĂŒbersteigt die GröĂe der amputierten Körperteile die GröĂe der dafĂŒr vorgesehenen AbfallbehĂ€lter. FĂŒr diese FĂ€lle gibt es spezielle Umverpackungen.cite-ref-42[42] Zur Verbrennung der BehĂ€lter nutzen die KrankenhĂ€user zertifizierte eigene oder externe Anlagen.cite-ref-43[43]
Amputationen in der Tierwelt
In der Tierwelt kann es unter Artgenossen ebenfalls zu Amputationen kommen. So wurden bei Florida-Holzameisen (Camponotus floridanus) Oberschenkelamputationen nach Verletzungen beobachtet.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]
Siehe auch
âą Ablation (Medizin), zum Teil synonym mit Amputation
âą Amelotatismus ist eine sexuelle PrĂ€ferenz fĂŒr Menschen mit fehlenden GliedmaĂen, auch Deformationsfetischismus genannt
âą Enukleation
âą Mastektomie
âą Resektion
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Weblinks
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: Amputationen
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â Lern- und Lehrmaterialien
Wiktionary: Amputation
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber Amputation im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą S2k-Leitlinie: Rehabilitation nach Majoramputation an der unteren ExtremitĂ€t, der Deutschen Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und OrthopĂ€dische Chirurgie (DGOOC), AWMF-Registernummer 033/044; awmf.org (PDF), Stand 08/2008.
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